Kinderklinik schickt Assistenzärzte in die Fläche

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Foto (Stefanie Starke): (v.l.) Assistenzarzt Michael Neugebauer, Kinderärztin Dr. Angela Pfeffer und Kinderklinik-Chefarzt Prof. Dr. Matthias Keller.

Kinderklinik schickt Assistenzärzte in die Fläche

Neues Rotationskonzept soll Interesse für Niederlassung wecken und Zusammenarbeit stärken

Regen
03.07.2019

Seit Anfang April lernt Michael Neugebauer intensiv den Bayerischen Wald kennen – vielmehr die Stadt Regen. Der junge Assistenzarzt kommt ursprünglich aus Wolfratshausen, südlich von München, und absolviert derzeit in der Kinderklinik Dritter Orden Passau seine Facharztausbildung. „Das ist ein tolles Haus und ich bin sehr glücklich in Passau. Vor allem was das breite Leistungsspektrum in der medizinischen Versorgung angeht. Man bekommt als Assistenzarzt viel geboten – ein toller Arbeitgeber“, so Neugebauer, der in diesem Zusammenhang auch auf das neu initiierte Projekt „Praxis auf Probe“ anspielt. Denn für die nächsten Monate arbeitet Michael Neugebauer nicht ausschließlich in der Kinderklinik, sondern darf zu 50 Prozent seiner Arbeitszeit Einblicke einer Kinderarztpraxis in der Stadt Regen gewinnen. „Hier lerne ich die andere Seite kennen: In der Klinikmedizin weiß man nach einer Behandlung oft nicht, wie es mit den Kindern weitergeht. In der Praxis herrscht ständiger Kontakt und ich kann die kleinen Patienten weiter begleiten“, erzählt der junge Assistenzarzt aus dem Praxisalltag bei Dr. Angela Pfeffer. Das neue Konzept der Kinderklinik Dritter Orden Passau basiert auf der Rotation der Assistenzärzte in Kinderarztpraxen in der Fläche, verteilt über Praxen in den Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und eben Regen. „Es gibt mehrere positive Effekte, die sich aus der Kooperation mit den niedergelassenen Kinderärzten ergeben: Zunächst die intensivierte Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxis, außerdem liegt es auch in unserem Interesse, die medizinische Versorgung der Kinder- und Jugendmedizin in der Region zu stärken – in diesem Zusammenhang gilt es für uns die Attraktivität einer Niederlassung den jungen Ärzten wieder vor Augen zu führen“, erklärt Kinderklinik-Chefarzt Prof. Dr. Matthias Keller die Idee, die scheinbar fruchtet. „Niemals hatte ich zuvor auch nur einen Gedanken daran verloren, in einer Kinderarztpraxis tätig zu sein“, erzählt Michael Neugebauer. Durch seine Arbeit bei Dr. Pfeffer habe er nun ein ganz neues Verständnis für die Arbeit in den Praxen gewonnen – „durch das Projekt erhalte ich wirklich zahlreiche neue Eindrücke. Mittlerweile könnte ich mir durchaus auch eine Niederlassung vorstellen.“ Der junge Assistenzarzt hat sich in der Kinderarztpraxis gut eingewöhnt: „Ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden, darf nicht nur abarbeiten, sondern habe meine eigenen Patienten – gleichzeitig bin ich aber nie alleine, sondern erhalte bei Bedarf immer Hilfestellung von Frau Dr. Pfeffer, und profitiere natürlich sehr von ihren Lehrinhalten“, beschreibt Neugebauer seinen Arbeitsalltag. Impfen, Vorsorgeuntersuchungen, jeden Tag übernimmt der junge Assistenzarzt mehr Aufgaben. „Er macht sich gut, arbeitet eigenständig und auch die Patientenfamilien sind zufrieden“, freut sich auch Dr. Angela Pfeffer über die Unterstützung aus der Kinderklinik Dritter Orden Passau. Sie selbst hat vor etwa acht Jahren die Kinderarztpraxis von einer Kollegin übernommen. „Vor meiner eigenen Niederlassung habe ich fünf Jahre in einer niedergelassenen Kinderarztpraxis in Teilzeit mitgeholfen – so konnte ich wertvolle Eindrücke gewinnen. Das Rotationskonzept der Kinderklinik verschafft jungen Ärzten diese Möglichkeit, daher finde ich das Konzept sehr sinnvoll“, so Pfeffer weiter. Auch ihre eigene Praxis profitiere in großem Maße von der Kooperation: „Ich würde es wieder machen, allein wegen dem kollegialen Austausch und wirklich enormen Hilfestellung, die ich durch Herrn Neugebauer erfahre. Die Zusammenarbeit macht wirklich Spaß.“ Das Rotationskonzept „Praxis auf Probe“ wird finanziert über die Stiftung Kinderlächeln, die sich damit in hohem Maße für die kinderärztliche Versorgung im niederbayerischen Raum einsetzt.
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