„Was zählt, ist die Stimme der Eltern“

Image
Foto (Stefanie Starke): Kinderkrankenschwester Doris Lehner und Musiktherapeut Alexander Traub stellen das neue Konzept der Musiktherapie an der Kinderklinik Dritter Orden Passau vor.

„Was zählt, ist die Stimme der Eltern“

Kinderklinik startet mit Musiktherapie für Frühgeborene – weltweit zweiter männlicher Musiktherapeut praktiziert in Passau
Passau
14.08.2018

Ob summen, singen oder einfach nur vorlesen – wenn es um eine positive Entwicklung von Frühgeborenen geht, setzt das Team der Kinderklinik Dritter Orden Passau seit Juli unter anderem auf die Musiktherapie. „Die Zahl der Frühgeborenen steigt und damit auch die Notwendigkeit einer ganzheitlichen optimalen Versorgung. Dazu gehört für uns nicht nur die bestmögliche medizinische Betreuung, sondern ebenso eine ständige Stärkung der Eltern-Kind-Bindung – sie hat einen großen Einfluss auf eine positive Entwicklung des Kindes“, betont Chefarzt Prof. Dr. Matthias Keller.

New York und Passau – weltweit nur zwei männliche Musiktherapeuten

Auf seine Intension hat Therapeut Alexander Traub eine Weiterbildung zum Musiktherapeut für Frühgeborene absolviert und in diesem Zusammenhang Seminare in München und Bern (Schweiz) besucht. „Ende Juni konnte ich die Weiterbildung erfolgreich abschließen und seit Juli betreuen wir die ersten Frühgeborenen“, erzählt der frisch-gebackene Musiktherapeut, der übrigens der weltweit zweite männliche Musiktherapeut ist – nach einem Weiteren in New York.
Gemeinsam mit Doris Lehner, Kinderkrankenschwester für pädiatrische Intensivmedizin, hat Traub ein Konzept für Musiktherapie in der Neonatologie erarbeitet und dieses wird nach und nach an der Kinderklinik etabliert. „Ich arbeite ausschließlich mit der Stimme. Mithilfe von Summtechniken und Berührung des Kindes kann tatsächlich Einfluss auf die Atem- und Herzfrequenz von Frühgeborenen Einfluss genommen werden – das ist faszinierend“, erzählt Alexander Traub. Noch während einer Therapieeinheit erfahre man unmittelbar Feedback von den kleinen Patienten: „Am Monitor sehen wir praktisch ‚grün auf schwarz‘, wie die Kinder auf die Töne reagieren.“ Wichtig ist dem Musiktherapeut vor allem, die Eltern entsprechend

einzubinden, schließlich sei es langfristiges Ziel, dass die Eltern seinen Part irgendwann selbst übernehmen. „Was zählt, ist die Stimme der Eltern.“ Dabei ginge es nicht unbedingt ums Singen. „Das ist ja das Tolle: Es muss nicht gesungen werden. Es geht darum, mit dem Kind zu kommunizieren und das ist etwas, was auch die Eltern tun können, wenn ihr Kind im Inkubator liegt. Das ist positiv für Eltern und Kind und stärkt die gegenseitige Bindung“, ist auch Kinderkrankenschwester Doris Lehner überzeugt. Mama und Papa stünden im Rahmen der Therapie an erster Stelle. „Bei einer Frühgeburt kommt es zu einem Verlust intrauteriner Sinneserfahrungen beim Kind, wie verschiedene Klänge, Vibrationen oder Schwingungen des mütterlichen Körpers. Dazu kommt auch noch die frühe Trennung von Mutter und Kind“, erklärt Lehner weiter. Genau hier greife das Konzept der Musiktherapie. „Wir haben sogar kleine Lautsprecherboxen angeschafft, damit Eltern, die nicht immer da sein können, hier Geschichten einlesen, Lieder aufsingen, oder einfach Musik aufspielen können, die während der Schwangerschaft gehört wurde – so erfährt das Frühgeborene mehr als nur die Stille im Inkubator.“ Einige Eltern seien anfangs noch etwas skeptisch und zurückhaltend, aber Ziel sei es, sie langsam an die Materie heranzuführen. „Ich sehe mich als Bindeglied im Rahmen einer Stärkung der Eltern-Kind-Bindung. Spätestens wenn die Eltern erfahren, welch positive Rückmeldung ihr Kind gibt, trauen sie sich selbst mehr“, erklärt Alexander Traub.
Auch im Team der Kinderklinik kommt das Konzept der beiden Kollegen gut an. „Die Aufgabe der Schwestern ist es, die Eltern aufzuklären und zu motivieren“, macht auch Lehner nochmals deutlich. Die Musiktherapie wird jedoch nicht von öffentlicher Hand getragen. Finanziert und unterstützt wird das neue Angebot daher von der Stiftung Kinderlächeln. „Natürlich sind wir auf Spendengelder angewiesen, damit die Therapie auch finanziert werden kann“, betont Dr. Maria Diekmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderlächeln.

Zurück zur Übersicht